Die freie und fesselnde Aktualisierung des Schnitzler-Stücks „Professor Bernhardi“ verzichtet auf einfache Antworten und eindeutige Sympathien. Als die leitende Ärztin einen Pfarrer nicht zu einem sterbenden Mädchen lässt, kommt es zu ungeahnten Folgen. Vielschichtig!
Kultur-Journalistin Sibylle Steinkohl war in der Premiere:
Wer „Debattierstücke“ mag, ist hier am richtigen Platz. Die Ärztin Ruth Wolff, Klinik-Leiterin, Alzheimer-Forscherin und Jüdin, verweigert einem Pfarrer den Zugang zu einer 14-jährigen Patientin, die nach einer versuchten Abtreibung im Sterben liegt. Eine ähnliche Situation hat Arthur Schnitzler 1912 in seinem Stück „Professor Bernhardi“ beschrieben, der britische Autor Robert Icke überträgt sie 2019 sehr frei in die Gegenwart. Der Vorfall löst einen Shitstorm und eine Online-Petition aus, auch in der Klinik gerät die taffe Medizinerin (eine Superrolle für Lisa Wagner mit Hochsteckfrisur) immer stärker unter Druck. Alles kocht hoch jetzt: Antisemitismus, Rassismus, Karriereneid, politische Ambitionen, Wokeness und Gruppenzwang. Man folgt gerne und gebannt den Spielenden und den Argumenten.
Residenztheater
Max-Joseph-Platz 1
80539 München
2 Stunden
Ohne Pause
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