Bye Bye Lolita, Cuvilliéstheater München

TheaterNeuland

Bye Bye Lolita

Lea Ruckpauls gleichnamiger Roman als Uraufführung im Cuvilliéstheater

Mit Bye Bye Lolita gibt Residenztheater-Schauspielerin Lea Ruckpaul Nabokovs Klassiker eine ganz neue Perspektive. Die Geschichte des sexuellen Missbrauchs erzählt sie erstmals aus der Sicht der erwachsenen Dolores Haze – schonungslos, schmerzhaft und radikal ehrlich.

Premierenkritik: Bye bye Lolita

Thea Redakteurin Melanie Hielscher hat die Premiere besucht:

„Es sind die Blicke der anderen, die uns zu dem machen, was wir sind“, sagt die inzwischen erwachsene Dolores Haze, als sie eine Erinnerung reflektiert, in der Humbert Humbert sie mit den Augen zum ersten Mal fixierte und mit seiner perversen Gier regelrecht durchbohrte. 

Wer den Roman von Lea Ruckpaul gelesen hat, erwartet möglicherweise extreme Gewaltdarstellungen, doch das ist bei der Inszenierung von Nora Schlocker nicht der Fall. Die Regisseurin nähert sich den schrecklichen Erlebnissen von Dolores alias Lolita behutsam, mit viel Feingefühl, aber auch mit feministischer Beharrlichkeit. Die Charaktere werden ausnahmslos von Frauen dargestellt, auch Humpert Humpert. Die fünf Schauspielerinnen wechseln von starken Emotionen wie Zorn und Wut oftmals innerhalb weniger Sekunden zu Angst und Hilflosigkeit - und bleiben dabei immer glaubwürdig. Die Tatsache, dass hier kein Mann auf der Bühne steht, tut dem Stück wahnsinnig gut! Denn der Fokus liegt damit auf den Gefühlen der Protagonistin.

Zwischendurch tritt eine Gruppe von ca. 12-jährigen Mädchen auf, die eigene Texte und ein Lied über Schönheit und Körperbilder beisteuern. Dieser Bruch mit dem fiktionalen Theatertext lässt das Publikum in die Lebensrealität der Mädchen eintauchen, die ungefähr im Alter von Lolita sind – und macht erschreckend deutlich, wie präsent Missbrauch und sexuelle Belästigung in unserem Alltag sind.

Fazit: Monströse Geschichte, die mit viel feministischem Feingefühl inszeniert wurde und gleichzeitig die beste Antwort auf Nabokovs verharmlosenden Lolita-Begriff ist.

Regie
Nora Schlocker

Romanvorlage
Lea Ruckpaul

Schauspieler*innen
Felicia Chin-Malenski
Naffie Janha
Katja Jung
Hanna Scheibe
Lisa Stiegler

Zur Stückbeschreibung des Residenztheaters

Zur Nachtkritik

Zur Buchkritik von Deutschlandfunk Kultur

Cuvilliéstheater
Residenzstraße 1
80333 München

Ohne Pause

So, 15. Nov 2026, 19.30 Uhr
Thea-Preis: 29,70-42,90 €
Du sparst bis zu 18%*

Tickets20

Karten erhältlich bis 06.11.2026
oder solange der Vorrat reicht.

* Thea-Tickets gegenüber Normalpreis

Inkl. MVV-Ticket
Altersempfehlung: ab 16 Jahren

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