Ein Jahr im Leben einer Schriftstellerin, die sich selbst gerne als Tussi tituliert - wie fühlt sich das an? In Enjoy Schatz geht es genau darum. Jovana Reisinger (zuletzt erfolgreich mit Spitzenreiterinnen am Residenztheater) nimmt das Publikum mit in den Dialog mit ihrem Alter Ego. Als Vorlage für das Stück dient ihr neuer Roman, in dem sie Themen wie Scham, Schönheitsideale, weibliche Sexualität und künstlerische Selbstbestimmung verhandelt.
Thea Redakteurin Melanie Hielscher war bei der Premiere:
Auf der Bühne befindet sich eine überdimensionale, rosafarbene Muschel auf der Enjoy Schatz steht. Daneben steht eine Sitzlounge aus Fell mit Cocktailtisch. Auf dieser Lounge nimmt Jovana Reisinger Platz, nachdem sie das Publikum in die Themen ihres essayistischen Romans eingeführt hat. Reisinger gibt darin eine Art Anleitung, wie Mann mit der erfolgreichen Schriftstellerin – ihrem Alter Ego – umgehen soll. Die Verwechslungsgefahr mit der realen Person Reisinger ist gewollt und wird dadurch, dass die Autorin in diesem Theaterstück selbst auf der Bühne sitzt, natürlich noch befeuert.
Als Reisinger sich hinsetzt, hebt sich plötzlich die Muschel und eine Art Mini-Zimmer wird präsentiert: mit Spiegel, Kleiderstange, Laptop, Bett, Smoothie-Shaker & einer jungen Frau (Nadège Meta Kanku), die als Reisingers Alter-Ego auftritt. Assoziationen mit dem 90er-Jahre Spielzeug Polly Pocket werden wach. Das Einzige, was aus dem Rahmen fällt, ist der Dildo, den die „Tussi-Autorin“ schnell verstecken möchte, als sie merkt, dass sie beobachtet wird.
Im Dialog zwischen Reisinger und ihrem Alter Ego geht es nun durch alle vier Jahreszeiten. Es wird gedatet, Sex gehabt, ein Liebhaber gesucht und letztlich der Ehemann verloren. Reisingers Alter-Ego wünscht sich ein Happy End, doch das wird ihr von der Autorin verwehrt. Stattdessen beginnt der Zyklus erneut mit euphorischen Frühlingsgefühlen im nächsten Jahr. Die von der Autorin herbei gesehnte Selbstermächtigung im Sinne von Happy-Single-Life mit unverbindlichem Sex rückt damit (vielleicht) erneut in greifbare Nähe.
Was möchte uns Reisinger damit sagen? Gute Frage! Vielleicht möchte sie genau das: feministische Fragen aufwerfen, für die sie selbst und wir als Gesellschaft im Moment noch keine zufriedenstellenden Antworten haben.
Zur Stückbeschreibung der Kammerspiele
Romanrezension der Zeit
Münchner Kammerspiele Giehse-Halle
Falckenbergstraße 1
80539 München
1 Stunde 40 Minuten
Mi, 29. Jul 2026, 20.00 Uhr
Thea-Preis: 17,00 €
Junges Publikum: 10,00 €
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Karten erhältlich bis 20.07.2026
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