Tide im Münchner Volkstheater

TanzAngesagt

Tide

Tanztheater von Sophie Haydee Colindres Zühlke und Serhat „Saïd“ Perhat

Sophie Haydee Colindres Zühlke und Serhat „Saïd“ Perhat begeisterten bereits mit ihrem ersten Tanztheaterstück Grey am Münchner Volkstheater. Auch in ihrem zweiten Werk bestimmt ein elektrisierender Mix aus zeitgenössischem und urbanem Tanz den Rhythmus der Bewegungen.

Kritik: Tide am Münchner Volkstheater

Thea Redakteurin Simone Lutz hat die Vorstellung gesehen:

Tide (Gezeiten) hat das Münchner Choreograf*innen-Duo Sophie Haydee Colindres Zühlke und Serhat „Saïd“ Perhat sein zweites Stück am Münchner Volkstheater genannt. Und tatsächlich fließt hier alles: Atem, Bewegungen, die schwingenden Kostüme, das orange-blaue Licht und ja sogar die Bühne. Fahrbare Podeste schaffen immer neue Räume – mal sind sie flacher Boden, mal schroffes Gelände, mal hoher Turm oder tiefer Graben. Einmal verschlucken sie sogar die Tänzer*innen, die nur noch als schwebende Projektion zu sehen sind. 11 kleine Figuren, fast wie Ausschneidepuppen, die sich aneinanderschmiegen.

Überhaupt ist Tide über weite Strecken bestimmt von weicher Bewegung und Slow Motion. Neben Breakdance-Solos (phantastisch: der 15-jährige Leon "Carlinho" Rauh) und den freezes - eingefroren Posen - erinnert auch das Motiv des Kreises an urbanen Tanz. Der Cypher, in dem Breaker ihre Fähigkeiten demonstrieren, wird hier zum Kreisen der Tänzer*innen umeinander, zum Kreisen des Rollstuhls von Breaker Nikola "Nidjo" Žica, zur Kreisbewegung der Oberkörper.

Im Duett von Anne Schwarzelt und Brooklyn Odunsi Ifeacho sind es mal die Füße, mal der Rumpf, mal der ganze Körper oder die Haare, die umeinander wirbeln. Es ist die zentrale Szene des Stücks, die die ganze Spannweite menschlicher Gefühle aufreißt – Kampf, Trost, Freundschaft, Liebe, Gewalt. Am Ende stampfen beide auf den Boden und lassen die anderen Tänzer aufhüpfen wie Topfen. Tide erzählt keine Geschichte; oder alle Geschichten. Es lädt mit Körpern, Musik und Bewegung ein, sich dem Fluß des Lebens hinzugeben – am besten in Gemeinschaft.

Regie & Choreografie
Sophie Haydee Colindres Zühlke, Serhat "Saïd" Perhat

Tänzer*innen
Mike Ezeala, Konstantin Hofmann, Marcell Johnson, Gustaf Mac Kobus, Julian Lüle, Brooklyn Frances "6rooklyn" Odunsi Ifeacho, Caio "Coffeeherb" Matheus Moreira, Jawad Rajpoot, Leon "Carlinho" Rauh, Anne Schwarzelt, Nikola "Nidjo" Žica

Zur Stückbeschreibung des Münchner Volkstheaters

Münchner Volkstheater
Tumblingerstraße 29
80337 München

Ohne Pause

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