Über 200 Jahre alt ist Mary Shelleys Roman Frankenstein. Die Story um Victor Frankenstein aber, der künstliches Leben erschafft und sein Geschöpf dann entsetzt flieht, verhandelt Fragen der Gegenwart: Menschliche Hybris, technischer Fortschritt und Verantwortung sowie die Frage, was den Menschen ausmacht.
Thea Redakteurin Simone Lutz hat die Premiere besucht:
In Philipp Arnolds Inszenierung wird Shelley zur KI, die den gelangweilten Victor unterhalten soll. Mit einer Geschichte. Und so geht es hinein in Frankensteins Universum. Eine künstliche Welt aus Nebelschwaden und Licht, die Victor als Zuschauer betritt und die manchmal ruckelt, als ob die Rechnerleistung nicht reicht. Gegeben wird Frankenstein und das Monster – mit bekannt düsterem Ausgang. Den auch Victor nicht stoppen kann. All seine Bitten an Shelley fruchten nicht: „Du wolltest diese Geschichte … Die Geschichte besteht aus Dir, ich bestehe aus Dir.“ Da ist es, das Monster 2025: Bits und Bites, von uns gefüttert und erschaffen und nicht aufzuhalten. Am Ende kriecht aus dem Wurmloch des Digitalen die KI leibhaftig auf die Bühne. Eine Kreuzung aus Alien und Popstar, der die Menschheit endgültig aufs Abstellgleis schiebt: „Und was einmal der Mensch war, wird bald nicht mehr sein.“
Arnolds Regiekniff mit Mary Shelley als KI und dem zweifachen Protagonisten Victor (Julian Gutmann) und Frankenstein (Cedric Stern) gibt der Story gekonnt einen Drall ins Heute. Licht und Bühne liefern großartigen Theaterzauber zwischen Expressionismus und Retro-Sci-Fi. Und Nina Noé Stehlin ist als Monster ergreifend. Ganz ohne größere Maske weisen sie nur ihre ungelenken Bewegungen und die verdrehte Sprache als das Geschöpf aus, das aus Elektrizität und Leichenteilen zusammengeschustert ist. Ein wahrer Hingucker ist der Auftritt von Jawad Rajpoot am Ende – Wow! Großer Beifall bei der Premiere für das ganze Team.
Die Geschichte von Dr. Frankenstein und seiner unglücklichen Kreatur ist ein mehrfach verfilmter Klassiker des Horrorgenres. Mit dem finsteren Grusel entsteht im Volkstheater ein mahnendes Bild für die Zerstörungen, die eine sich selbst überschätzende Menschheit anrichtet. -sl/kk-
Zur Stückbeschreibung des Volkstheaters
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80337 München
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