Eine Zierde für den Verein, Residenztheater München

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Eine Zierde für den Verein

Ein Stück vom Rauchen, Sporteln, Lieben und Verkaufen von Marieluise Fleißer

Elsa-Sophie Jach bringt Marieluise Fleißers einzigen Roman auf die Bühne. In einem deutschen Provinzidyll vor 1933 gewinnt Schwimmstar Gustl die eigenständige Frieda für sich. Viele wieder aktuelle Themen wie toxische Männlichkeit, Instabilität und Radikalisierung.

Kunsthistorikerin Dr. Katrin Dillkofer war für den Thea Kulturklub in der Premiere:

Das gummiweiche, swimmingpool-blaue Bühnenbild im Arenaformat verlockt zum Klettern, Springen, Schubsen und Hinabstürzen. Hier toben die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Geschlechtern, hier erstarkt ein patriarchales, faschistoides System. Der Sunnyboy Gustl, der eigentlich gar kein Sunnyboy ist, verliebt sich in die eigenwillige Frieda, die eigentlich nicht eigenwillig ist, sondern lediglich keine Lust hat, sich von Gustl ausbeuten zu lassen. Er ist Tabakwarenhändler, sie vertreibt Mehl, was auf der Bühne nicht wirklich deutlich wird. Die Wirtschaftslage ist miserabel und entsprechend laufen die Geschäfte schlecht.

Spannend, wie die Sprachgewalt hier aus der 3. Person Singular (es handelt es sich um einen Roman!) und dem archaisch-wuchtigen, bajuwarisch anmutenden Dialekt erwächst und die Protagonist*innen dazu bringt, Klügeres zu äußern als es das getriebene Naturell eigentlich vermag. Es ist frappierend, wie scharf Marieluise Fleißer und Elsa-Sophie Jach (Regie) hier das unheilvolle, pöbelnde Raunen in der Gesellschaft mit der Konstellation ihrer Figuren treffen. Frieda ist das Alter Ego der Ingolstädter Autorin, die sich nicht unterwandern lässt. Die schiere Wirklichkeit bricht sich in diesem artifiziellen Setting so deutlich Bahn, dass es am Ende nicht des Fingerzeigs bedürfte, die bedrohlich Schieflage auf das jetzt und hier zu beziehen. Das ist beinahe ein ganz bisschen oberlehrerinnenhaft.

Zur Stückbeschreibung des Residenztheaters

Zur Nachtkritik

Marstall
Marstallplatz 4
80539 München

Ohne Pause

Do, 23. Apr 2026, 20.00 Uhr
Thea-Preis: 27,30 €
Du sparst bis zu 17%*

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Karten erhältlich bis 16.04.2026
oder solange der Vorrat reicht.

* Thea-Tickets gegenüber Normalpreis

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