Schwestern. Königinnen. Rivalinnen im Anspruch auf den Englischen Thron. Die Uraufführung Of One Blood (Aus einem Blut) von Brett Dean (Komposition) und Heather Betts (Libretto) behandelt den Konflikt zwischen Maria Stuart und Elisabeth Tudor. Bei der Premiere gab es tosenden Applaus für wirklich alle: ein voller Erfolg und das zu Recht!
Thea Autorin Simone Lutz hat die gefeierte Premiere gesehen:
Of One Blood hat durchaus das Zeug zum Repertoireklassiker. Furcht vor verkopfter, unmelodischer neuer Musik ist jedenfalls vollkommen unbegründet. Komponist Brett Dean lässt das Orchester höchst effektvoll, farbig und melodisch erklingen, durchsetzt mit eingebetteten Zitaten von Renaissance-Musik und kirchlichen Chorälen. Dazu elektronische Klänge, die fast filmmusikartig Handlung und Stimmungen erzeugen. Vor allem aber lässt er die Sänger*innen strahlen und schreibt seinen beiden Hauptfiguren Maria (Vera-Lotte Boecker) und Elisabeth (Johanni van Oostrum) eine ausdrucksvolle Glanzpartie nach der anderen auf den Leib. Kein Wunder, dass das Publikum die grandiose Leistung der beiden mit stehenden Ovationen bedachte.
Labor der Geschichte, Fallstudie der Macht
Claus Guth überzeugt mit fein austarierter psychologischer Regie, die Mary von der verspielten Prinzessin zur tragisch-königlichen Gefangenen werden lässt und auch die Risse in Elisabeths staatstragender Fassade findet. Vor allem erzählt er die Geschichte zweier Königinnen aus dem 16. Jahrhundert als archäologische Ausgrabung. Da werden die Königinnen von weiß gekleideten Wissenschaftlern aus ihren Särgen in der Westminster Abbey geholt, auf die Bühne gestellt, gepudert und: losgelassen. Ein schlauer Kniff, der dem Stoff ohne bemühte Aktualisierungen, Gegenwart verleiht. Und perfekt zum Libretto von Heather Betts passt, das auf historischen Briefen, Reden und Gebeten beruht.
Fazit: Eine bekannte, hochdramatische Handlung. Farbige, emotionale Musik mit Wumms und überragenden Gesangspartien. Eine klare, kluge, auf die Personen konzentrierte Regie. Ein bestens aufspielendes Orchester und durchwegs hervorragend Sänger*innen auf der Bühne – allen voran die zwei grandiosen Hauptdarstellerinnen. Hingehen!
Der Termin am 27. Juni findet im Rahmen der Münchner Opernfestspiele 2026 statt.
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Einführung: jeweils eine Stunde vor Vorstellungsbeginn im Capriccio-Saal
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