Es ist 2045: In Deutschland gibt es zwar keine Juden mehr, wohl aber eine Antisemitismusbeauftragte. Ihre Mission: Erinnerungskultur. Ihr Mittel: Eine Revue über Philipp Auerbach, KZ-Überlebender und in München ab 1946 Staatskommissar für rassisch, politisch und religiös Verfolgte. Was folgt ist eine großartig gespielte und gesungene Groteske, die wirklich kein Fettnäpfchen auslässt.
Thea-Redakteurin Simone Lutz hat für uns die Premiere besucht:
Autor Avishai Milstein und Regisseurin Sandra Strunz lassen Stereotype, Klischees und Kalauer nur so auf die Bühne purzeln. Und verpacken alles ins Gewand einer Revue: Songs, Showtanz, fantastische Glitzerkostüme und zwei Musiker*innen mit 20er-Jahre Sound (toll: Rainer Süßmilch, Philipp Haagen). Ein schlauer Kunstgriff, denn als Zuschauer*in richtet man sich zunächst, trotz heftiger Texte, doch ganz bequem ein in dieser Goldenen Zwanziger-Ästhetik. Die jedoch zerfällt zusehends. In die Proben der Laienspielgruppe unter Leitung der Antisemitismusbeauftragten Beate (absolut umwerfend: Wiebke Puls als immer leicht beleidigter, eifriger Gutmensch), platzt ein echter Schauspielstar: Samuel Finzi spielt diesen Raphael Kuhn, der nun den Philipp Auerbach gibt. Und jetzt entgleist der Abend, denn: „Einen Juden zu spielen ist Kunst. Ein Jude zu sein ist Provokation.“ Mit Lametta als Schläfenlocken, schlechten Witzen, massenhaft Stereotypen und dem Anzweifeln einer deutsch-jüdischen Normalität stört Finzi alias Kuhn die deutsche Erinnerungskultur gehörig. Das ist böse, schräg, berührend, verstörend, lächerlich, entlarvend und - ja auch witzig. Mit Play Auerbach! haben die Kammerspiele etwas gewagt und gewonnen.
Münchner Kammerspiele Schauspielhaus
Maximiliansstraße 26-28
80539 München
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